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Anekdoten – Geschichten und Erinnerungen aus Wersten
Als Unigelände, Botanischer Garten und Schnellstraße kamen (von Uwe Protzmann, Remscheid)
Am BrückerbachWenn ich mich recht erinnere, muss es Anfang der 70er Jahre gewesen sein, als es mit der beschaulichen Ruhe und den Feldern und Wiesen am Brückerbach vorbei war. Plötzlich rückten Bautrupps an – und es war die Rede von einem "Uni-Gelände", einem "Botanischen Garten" und einer "Schnellstraße", die irgendwo aus Richtung Holthausen kommen, an unseren Häusern am Mendelweg vorbei und dann Richtung Innenstadt führen sollte.
Dasalles war für uns junge Burschen (alle im Alter von 13 bis 16 Jahren) nicht so interessant – aber sehr interessant war der lange, unterirdische Tunnel (offenbar ein Versorgungstunnel für Leitungen und ähnliches), der als erstes gebaut wurde! Ein großer, quadratischer Tunnel, dessen heller Beton noch richtig "frisch" roch und den man durch einen runden Deckel betreten konnte, die in regelmäßigen Abständen zu finden waren. Ein paar Tritteisen hinunter – und schon stand man in einem geheimnisvollen, dunklen Reich! Aber es war alles so stockdunkel!
Alsowarfen wir unser Taschengeld zusammen und kauften direkt zwei große Pakete mit Teelichten und vorsorglich mehrere Pakete Streichhölzer. Und dann stiegen wir nachmittags, als der letzte Bauarbeiter verschwunden war, mit einem etwas mulmigen Gefühl in den "Abgrund" hinunter! Direkt am Einstieg wurde das erste Teelicht entzündet und auf dem Boden deponiert, und wir beschlossen, "Richtung Innenstadt" zu wandern. Alle paar Meter entzündeten wir ein neues Teelicht und wagten uns immer weiter im Tunnel vor – hinter uns auf dem Boden ein "romantisches" Lichtermeer. Aber irgendwann verließ uns dann der Mut, denn wir wussten ja nicht, wie lange diese Teelichte brennen würden. Also beendeten wir unser Abenteuer schon nach ein paar hundert Metern.
Dieganze Bauerei war spannend, aber trotzdem spürten schon wir Kinder so etwas wie Wehmut. Eines Tages verschwand der Boxerclub am Brückerbach und die beiden herrlichen, riesengroßen Bäume in der Kurve am Damm. Dann wurde der Brückerbach begradigt und floss später unter der Brücke der Schnellstraße in einem hässlichen Betonbett. Das Wäldchen, auf das wir von unserem Balkon immer gucken konnten, wurde abgeholzt. Felder und Äcker wurden plötzlich zu einem Bauplatz. Auch die Schrebergartensiedlung, durch die ich als Kind immer so gerne zur Schule an der Chlodwigstraße ging, musste weichen. Es war vorbei mit der schönen Ruhe und der unschuldigen, unberührten Natur am Brückerbach – die laute Welt holte uns ein!
Auchdie Buslinie 61 fuhr auf einmal total anders. Nicht mehr von der Haltestelle "Brückerbach" aus das Wäldchen entlang Richtung Chlodwigstraße – oh nein! Eine neue Straße wurde gebaut, die direkt nach dem Brückerbach nach rechts abknickte, die Schnellstraße überquerte und dann durch das Unigelände führte, ehe der Bus wieder auf die Himmelgeister Straße fuhr. Und wir hatten auf einmal die Haltestelle viel näher und mussten nicht mehr den gesamten Damm entlang gehen. Direkt hinter dem letzten Haus am Mendelweg wurde eine breite, schöne Brücke über den Bach gebaut, wo man nur noch einen breiten Plattenweg ein Stück bergan gehen musste und schon die neue Haltestelle erreichte.
Natürlichwurde alles wieder schön begrünt. Aber trotzdem: Mit Schnellstraße, Uni-Gelände und Botanischem Garten hatte Wersten-Mendelweg seine "unberührte landschaftliche Unschuld" verloren! Die riesigen Felder waren leider viel zu schnell aus unserer Erinnerung verschwunden, ebenso wie unsere Trapper-Spiele in dem kleinen Wäldchen und die ausgedehnten Rodelpartien auf dem Damm. Sicher war der Botanische Garten schön angelegt – aber es war halt alles künstlich, steril, kalt, seelenlos. Der "wilde Charme" des Brückerbachs war unwiderbringlich dahin und im Meer der Zeit und des Fortschritts versunken.
(Foto: Copyright Wolfgang Krause)
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