Wohlfühlen in WerstenWohlfühlen in WerstenWohlfühlen in WerstenWohlfühlen in WerstenWohlfühlen in WerstenWohlfühlen in WerstenWohlfühlen in WerstenWohlfühlen in Wersten
Anekdoten – Geschichten und Erinnerungen aus Wersten
Meine Kindheit in Wersten (von Uwe Protzmann, Remscheid)
Am BrückerbachEin liebevoller, wehmütiger und nostalgischer Rückblick – meine Kindheit in Wersten:
1963– ich war 6 Jahre alt – zogen wir von der Innenstadt in das "Neubaugebiet" in Wersten am Mendelweg. Und als Kind empfand ich Wersten immer als das reinste Paradies und jeden Tag als ein neues Abenteuer!
Direkthinter dem Haus und hinter der abgezäunten Wiese war der Damm und der Brückerbach, seinerzeit noch dreckig, oft stinkend, der Grund voller Scherben von kaputten Flaschen. Das tat unserer Spielfreude aber keinen Abbruch – wir zogen im Sommer unsere Wassersandalen aus Plastik an und spielten am und im kühlen Wasser! Auf der anderen Seite des Brückerbaches – wie überall in Wersten – gab es ringsum nur Felder und Wiesen und ein kleines Wäldchen direkt gegenüber unseres Hauses. Einmal campierten dort Zigeuner – das war für uns Kinder ein großes Erlebnis! Und natürlich war es auch immer für uns Kinder enorm spannend, wenn der Brückerbach richtig Hochwasser führte.
Überden Damm erreichte man die Haltestelle "Brückerbach" mit der Buslinie 61 und kam immer am Boxerclub vorbei, wo wir Kinder oft beim Training der Hunde zuschauten. Die Buslinie 61 fuhr früher noch auf einer kleinen Straße den Wald des Wasserschutzgebietes am Rhein entlang Richtung Zentrum und war ziemlich einsam. Die Eltern schärften uns immer ein, dort niemals alleine entlang zu gehen! Direkt gegenüber der Haltestelle "Brückerbach" führte ein kleiner Weg einen Zaun entlang zum Rhein – auch dort war es uns verboten, alleine zu spielen. Auch der Wald am Wasserwerk war uns streng verboten!
Am BrückerbachGingman den Damm in die andere Richtung, kam man zu einem kleinen Brückchen, das so schmal war, dass zwei Erwachsene nur mit Mühe aneinander vorbei passten. Nach dem Überqueren der Brücke erreichte man die andere Seite, dort fing der Damm auf der anderen Seite des Brückerbaches an. Auf beiden Dämmen konnte man dann bis zur Kölner Landstraße gehen. Vom Brückchen aus führte auch noch ein Fußweg am Wäldchen entlang und durch eine Schrebergartensiedlung, der dann an der Himmelgeister Straße in der Nähe der Chlodwigstraße endete. Kurz vor dem Brückchen stand, auch direkt am Damm, am Fahrenheitweg, das einzige hohe Haus in unserer Siedlung, wir nannten es immer "das Hochhaus". Dort standen auch die hohen Bäume, wo wir als Kinder so gerne kletterten.
FahrenheitwegImWinter konnte man den Damm natürlich hervorragend zum Rodeln nutzen, gerade in der Kurve am Boxerclub war die Strecke am längsten. Im Herbst war der Damm dann meist von Vätern und ihren Kindern bevölkert, die aufgereiht wie eine Perlenkette standen und ihre meist selbstgebauten Drachen fliegen ließen. Man verabredete sich regelrecht zum Drachensteigenlassen. Wenn die Felder abgeerntet waren, standen wir mit unseren Vätern auf dem Acker und übten das Werfen eines Bumerangs – das war seinerzeit schwer in Mode. Und oft plagte uns Kinder das schlechte Gewissen, wenn wir den Bauern vom Feld Kohlrabi, Rote Beete und Rhabarber "gemopst" hatten. Wenn das Korn hoch stand, trampelten wir auch immer "Geheimwege" und "Wohnungen" in die Felder – und hatten auch irgendwie ein schlechtes Gewissen, weil daraus ja "Essen" gemacht wurde.
DerMendelweg war eine Einbahnstraße und führte nur in einer Schleife durch die Siedlung. Wir konnten fast ungestört auf der Straße spielen – Autos waren eher die Ausnahme als die Regel. Die Verkehrsplaner konnten sich aber anscheinend nie einigen – mal war der Mendelweg links herum eine Einbahnstraße, dann wieder rechts herum, und dann wieder alles zurück. Gleiches galt für die Landschaftsplaner. Die kleinen Wiesen vor den Häusern waren mal eingezäunt, mal wieder nicht, dann doch wieder eingezäunt. Zum Einkaufen gab es nur vier kleine Geschäfte am Nernstweg: Ein KOMA-Laden, eine Drogerie, ein Metzger und ein Bäcker. Für "große Besorgungen" mußten wir immer zur "Hauptstraße" fahren, also zur Kölner Landstraße, wo die meisten Geschäfte waren. Der Besitzer des KOMA-Ladens war der Freund aller Kinder, er spendierte schon mal ein Tütchen AHOI-Brause oder ein Wassereis umsonst, wenn er gute Laune hatte. Und er war meistens gut gelaunt!
Kölner Landstraße 1955DieKölner Landstraße war für uns Kinder immer sowas wie "Innenstadt". So viele Autos auf einmal, das kannte man aus unserer Siedlung ja gar nicht! Und an der großen Kreuzung Kölner Landstraße gab es auch noch das alte Kino – für uns Kinder sonntags um 11.00 Uhr immer Pflicht! "Godzilla", "Raumschiff Venus antwortet nicht" und "U 4000 – Panik unter dem Ozean" bleiben unvergessen. Und es war so herrlich preiswert: "Rang" kostete 1 DM und "Loge" 2 DM, andere Preise gab es nicht. Auf der Kölner Landstraße gab es auf dem Weg zu meiner neuen Realschule an der Siegburger Straße nur kleine, alte Häuser auf einer Seite – dort waren auch die beiden "Büdchen", wo wir als Kinder immer Naschereien kauften.
Einaufregendes Erlebnis war es, als Auf'm Rott direkt neben der Haltestelle "Mendelweg" der Buslinie 37 ein "hypermoderner" Wasserspielplatz gebaut wurde – im Sommer ein Magnet für uns Kinder. Auch auf den beiden, etwas heruntergekommenen "Fußballplätzen" trieben wir jungen Burschen uns gerne herum. Einer war direkt hinter dem Wasserspielplatz, der andere kurz vor der Kreuzung Ohmweg/Dechenweg. Hinter diesem Bolzplatz gab es noch einen Schrotthändler, der uns nie so geheuer war, weil er einen großen, schwarzen Hund hatte. Die Buslinie 37 wusste auch nie so recht, wie herum sie fahren wollte – mal waren die Haltestellen auf der einen Straßenseite, dann plötzlich auf der anderen.
Ichkönnte noch stundenlang schreiben – noch heute, 40 Jahre später, steht mir Wersten quasi mit jedem einzelnen Grasbüschel noch plastisch vor Augen!
LiebesWersten, ein tiefes Dankeschön für meine behütete, wunderschöne Kindheit in Deiner Umgebung! Danke für eine Kindheit in einer Umgebung voller Natur, Ruhe und Beschaulichkeit, wo man als Kind jeden Tag neue Abenteuer erleben konnte und sich trotzdem immer geborgen fühlte. Danke für eine Zeit, wo die Eltern noch mit den Kindern hinter dem Haus Federball spielten oder sich einfach zum "Schwätzchen" trafen, während wir auf der Wiese herumtollten und jeder Tag ENDLOS dauerte!
(Fotos: Copyright Wolfgang Krause · hist. Aufnahme: Quelle Heimatverein Werstener Jonges)
zurück
nach oben