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Wersten - wie es wurde was es heute ist

Grabungsfunde (ein Glockenbecher und ein Faustkeil, zurzeit im Stadtmuseum) aus dem Gebiet des heutigen Wersten lassen darauf schließen, dass schon in vorgeschichtlicher Zeit in diesem Teil der Rheinaue gesiedelt wurde. Bis zur Regulierung des Rheinstroms um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren jedoch größere Bereiche des heutigen Siedlungsgebiets von Sümpfen bedeckt, aus denen Sandrücken herausragten, die auch bei Hochwasser nur selten überflutet wurden und sich somit zur Besiedlung eigneten. Da bei größeren Hochwassern der Rhein sich häufig ein anderes Bett suchte, gab es auch auf dem Gebiet von Wersten Seitenarme des Stromes, die heute nur noch mit Mühe auszumachen sind. Zum Beispiel die „Kuhle“ zwischen Cronenberger Weg und Röntgenweg, die sich jenseits der Mergelgasse fortsetzt und auch auf der anderen Seite der Ickerswarder Straße hinter der Schule am Massenberger Kamp zu erkennen ist.

Der Name „Werstin“ taucht allerdings erstmals zu Anfang des zweiten Jahrtausends nach Christi Geburt auf und geht auf eine Anlage aus der Römerzeit zurück. Während das linke Rheinufer fest in der Hand der Römer war, wurden rechtsrheinisch im Vorfeld Verteidigungsanlagen errichtet, die viele Jahrhunderte weiter genutzt worden sind und späterhin „Landwehr" oder „Wehrhagen“ genannt wurden. Dort, wo die alte rechtsrheinische Heerstraße diesen Wall querte, gab es wohl einen Turm: den Wehrstein.

Eine zweite Ansiedlung, die schon lange ebenfalls zu Wersten gehört und sich an der Kölner Landstraße zwischen der südlichen Düssel und dem heutigen Werstener Kreuz befand, wurde „Windfoche“ genannt.
Mit freundlicher Genehmigung des Heimatvereins Werstener Jonges.
Entnommen seiner Jubiläumsbroschüre zum 50-jährigen Bestehen.

Düsseldorf lockte mit Strom

Vor 100 Jahren wuchs Düsseldorf rapide. Erster neuer Stadtteil wurde Wersten

Wer heute die Kölner Landstraße entlangblickt, mag es kaum glauben: Wersten war früher ein Bauerndorf mit 13 großen Höfen und einer unbekannten Zahl von Katen. Die Bauern beackerten ihre Felder entlang der Düssel. An der Chaussee von Duisburg nach Köln, der heutigen Kölner Landstraße, gab es Fuhrunternehmen, Gasthäuser und bescheidenes Gewerbe. Daran änderte selbst die beginnende Industrialisierung wenig. Allerdings wurde Wersten als billiges Bauland für Arbeiterquartiere entdeckt.

"Vor 100 Jahren bestand unser Stadtteil aus einem bunten Mosaik verschiedener Bauformen", sagt Wolfgang Butgereit, der das Fotoarchiv der Werstener Jonges betreut. Belegen kann er diese Entwicklung mit vielen Bildern: Niedrige Bauernhäuser bestimmten das Bild auf der Werstener Dorfstraße und der Kölner Landstraße. Mit den Einwohnern aber ging es sprunghaft in die Höhe: Um 1908 wohnten 5550 Menschen in Wersten.

Wersten erhoffte sich viel von der Düsseldorfer Infrastruktur.
Das zeigte sich vor allem auf der Kölner Landstraße: Neben den alten Bauten schossen großstädtisch anmutende Miets- und mehrstöckige Geschäftshäuser in die Höhe. Wie von einer Zeitreise übrig geblieben ist die Ecke zur Opladener Straße. Eine Postkarte, mit der das Gasthaus "Zur Weiche" um 1900 um Kunden warb, belegt eine fast unveränderliche Häuserfront - nur dass die deutsche gegen eine griechische Küche ausgetauscht wurde. Doch dieser Aufschwung war nur scheinbar: In Wersten gab es kein Licht, keine Kanalisation und kein fließendes Wasser.
Fast schon großstädtisch präsentierte sich um 1900 die Kölner Landstraße an der Ecke Opladener Straße. Diese Gebäudeflucht ist - inklusive Restaurant - bis heute unverändert geblieben.
Typisch für die Kölner Landstraße blieben aber noch lange solche Hausformen.
Dorfcharakter pur: Die Familie Perpeet auf der Werstener Dorfstraße 241.

Deshalb wurden 1903 nach einer Epidemie auf der Kampstraße fünf Gemeindemitglieder bei der Stadt vorstellig und baten um Eingemeindung. Zwar hätten Wasser, Gas und Strom auch aus Benrath (wozu Wersten verwaltungsrechtlich gehörte) bezogen werden können, doch die meisten Werstener arbeiteten in Düsseldorf, außerdem waren dort die Steuern niedriger als in Benrath.

Nun bewirken fünf Bürger noch keine Eingemeindung. Doch die Werstener blieben hartnäckig: 1905 erklärten sie sich gemeinsam mit Himmelgeist als selbstständig und nahmen die Verhandlungen mit Düsseldorf wieder auf. 1906 wurde der gewünschte Vertrag über die Lieferung von Gas, Wasser und Strom geschlossen. Am 28. Mai 1907 beantragte die Gemeindeversammlung offiziell die Eingemeindung nach Düsseldorf.

Eingemeindung
1806 Bei der napoleonischen Neuordnung wird Wersten Teil der Marie Benrath. Das wird auch bei den Preußen beibehalten.
1903 Erste erfolglose Bemühungen, ein Teil von Düsseldorf zu werden.
1905 Loslösung von Benrath, gemeinsam mit Himmelgeist.
1906 Vertrag mit der Stadt Düsseldorf über die Lieferung von Gas, Wasser und elektrischer Energie.
28. Mai 1907 Die Werstener Gemeindeversammlung beschließt die Eingemeindung nach Düsseldorf.
1. April 1908 Eingemeindung von Wersten nach Düsseldorf.
1. April 1909 Die Stadtteile Himmelgeist, Stockum, Rath, Gerresheim, Eller und Heerdt folgen.
Ons Wähschde, dat is leevenswäht !!

Als Anfang Mai des Jahres 1831 – also vor nunmehr 175 Jahren – Heinrich Heine auf dem Weg ins Exil den Rhein überquerte, raunte ihm der alte Vater Rhein zu: „J'aime, tu aimes, nous aimons …“. Wen oder was liebte der alte Vater Rhein? Wir Werstener sind uns sicher: Er meinte Wersten! Zwar liegt Wersten nicht direkt am Rhein, aber nachgerade ist ja allgemein bekannt, dass etwas, wonach man sich strecken und recken muss, was nicht so ganz leicht zu sehen und zu haben ist, einen besonderen (Lieb-) Reiz hat. Das Dörfchen entlang der Düssel hatte damals etwas von einer drallen, kräftigen Bauerndirne, und es ist gut bekannt, dass sowohl Heine wie auch der alte Vater Rhein ein besonderes Faible für dralle, kräftige Frauen hatten.

Im Laufe der nächsten hundert Jahre veränderte sich das ziemlich heftig. Als Wersten im Jahre 1908 eingemeindet wurde, hatte zwar hatte der Oberbürgermeister Düsseldorfs behauptet, er wolle aus der Bauerndirne ein schmuckes Mädchen machen, aber dieser Ankündigung folgten keine entsprechenden Taten. Im Gegenteil, Wersten musste als Deponie für die Probleme des reichen Düsseldorfs herhalten. Wann immer irgendetwas aus der Innenstadt abgeschoben werden musste: In Wersten gibt es ja noch freie Flächen.

Ein wesentlicher Grund für die Werstener, die Eingemeindung nach Düsseldorf zu betreiben, war der Wunsch nach Anschluss an die Wasser- und Abwasserleitung der Stadt, weil kurz zuvor eine Epidemie Wersten heimgesucht hatte, die mit unreinem Trinkwasser zu tun hatte und manchem Werstener Kind das Leben gekostet hatte. Bis zum Anschluss der letzten Werstener Grundstücke an die Entwässerungsleitungen sollten nach der Eingemeindung noch 80 Jahre vergehen!

Aber wie das häufig so ist: Der Zusammenhalt der Bürger und die Liebe zu ihrem Stadtteil wurden dadurch eher bestärkt. Und da mittlerweile das Interesse der Stadt an freien Flächen darin besteht, Einfamilien-Reihenhäuser zu bauen, und wir Werstener gegen heftigen Widerstand die Tieferlegung der A46 und die Ausrichtung der BuGa – und damit die Erstellung des Südparks – durchgesetzt haben, ist Wersten mittlerweile ein „schmuckes Mädchen“ geworden.
Und wir lieben Wersten!
Dr. Karl Dross

Wo Sie noch ganz viel Wersten finden:

Stadtteilkompass Wersten